David Kross ist der deutsche Nachwuchsschauspieler der Stunde. In seinem letzte Woche angelaufenen neuen Film „Same Same But Different“ arbeitete er erneut mit seinem Entdecker Detlev Buck zusammen.
Gerade mal 19 Jahre jung ist David Kross, und gerade mal in vier Filmen hat er mitgespielt. Seit seinem Debüt im Jugenddrama „Knallhart“ 2006 eilt er jedoch von Erfolg zu Erfolg. Er gewann Nachwuchspreise in Cannes und Berlin, spielte an der Seite von Kate Winslet in Stephen Daldrys „Der Vorleser“ und wurde 2009 vom „People Magazine“ zu einem der hundert schönsten Menschen der Welt gekürt. Zum Interviewtermin empfängt einen aber kein obercooler, sich der Gravität entziehender Jungschauspieler, sondern ein etwas schüchtern wirkender Teenager im Karohemd.
David Kross, Ihnen wurde in kurzer Zeit ein riesiger Erfolg zuteil. Haben Sie sich an den Trubel um ihre Person gewöhnt?
Auf der letztjährigen Berlinale ging es schon drunter und drüber mit dem Shooting Star Award und „Der Vorleser“ gleichzeitig. Das hat sich dann aber wieder gelegt. Glücklicherweise kann ich immer noch normal U-Bahn fahren. Ich hätt’s nicht gerne, wenn ich abgeschottet sein müsste.
Ihren ersten Film haben Sie mit Detlev Buck gedreht. Nun wiederholte sich die Zusammenarbeit bei „Same Same But Different“. Machte sich die dazugewonnene Erfahrung bemerkbar?
Ich glaube nicht, dass drei Jahre Erfahrung so wahnsinnig viel ist. Natürlich ist was passiert in dieser Zeit. Das gibt einem Sicherheit. Trotzdem verspüre ich vor jedem Projekt ist eine gewisse Aufregung. Die hilft mir, es ernst zu nehmen.
Aber bei „Knallhart* bemerkten Sie wohl eher noch die Linse, die auf Sie gerichtet war.
Ich vergesse selten die Kamera an sich. Sie sehe ich als Freund an, mit dem man spielen kann.
„Same Same but Different“ wurde grösstenteils in Kambodscha gedreht. Ihre Eindrücke?
Man trifft dort auf grosse Armut, aber auch auf die unglaubliche Schönheit der Landschaft. Phnom Penh ist wahnsinnig wuselig, es hat immer Leute auf der Strasse. Daran musste ich mich erst gewöhnen.
Im Film muss Benjamin eine schwierige Entscheidung treffen: Karriere in Deutschland oder Liebe in Kambodscha. Hätten Sie gleich entschieden?
Ich weiss es nicht, weil ich noch nie in so einer Situation war. Aber ich habe grossen Respekt vor der Entscheidung. Ich fand das sehr mutig. In so einem jungen Alter, wo halt viele den Karriereweg einschlagen, entscheidet er sich dafür, dass dieser Mensch nicht von der Welt verschwinden soll.
Benjamin Prüfer gibt es ja wirklich, der Film beruht auf seinem Buch. Haben Sie sich für ihr Schauspiel mit ihm ausgetauscht?
Benjamin war häufig bei den Dreharbeiten dabei. Er ist aber von Anfang an locker mit dem Stoff umgegangen. Wichtig war ihm der Kern. Darum haben wir auch unseren eigenen Benjamin im Laufe des Drehprozesses erschaffen.
Es stellt sich heraus, dass Sreykeo HIV-positiv ist. Eine ernste Wendung, die zugleich die Beziehung des Paars intensiviert.
Für mich handelt es sich hier um eine klassische Liebesgeschichte. Und wie auch bei „Romeo und Julia“ macht die Probleme sie erst so schön. Hier ist es eben HIV und Prostitution. Es ist aber kein Film über AIDS. Natürlich wäre es jedoch schön, wenn dadurch die Krankheit wieder mehr ins Bewusstsein der Leute gerufen würde.
Der Film feierte in Locarno Premiere. Wie haben Sie diese in Erinnerung?
Locarno ist ein toller Ort, da würde ich gerne wieder hinfahren. Auch das Festival hat mir sehr gut gefallen. Und dann die Weltpremiere, eine riesige Leinwand, das war Wahnsinn. Vor allem, dass sie draussen war, hat für den Film perfekt gepasst.
Das Gespräch führte Urs Arnold. "Same Same But Different" läuft derzeit in Bern, Chur, Emmenbrücke, Schaffhausen, St. Gallen, Winterthur und Zürich.