Single dasein - Solche Situationen kennen Singles zur Genüge… und die Geschichten sind immer wieder ein Lacher. Meine Mutter feiert den 60-igsten Geburtstag. Ich freue mich sehr darauf, weiss aber auch, dass viele „liebe Verwandte“ anwesend sind und ich als „schwarzes Schaf“ (weil ich ja noch nicht vergeben bin) die meisten neugierigen Fragen beantworten muss. Ich kann es mir bereits bildlich vorstellen: in Mitten des Saals ein kleines Podest – ich setze mich drauf und werde wie bei der Quizshow „Wer wird Millionär?“ die Fragen beantworten. Nur, dass ich keine vier Antworten zur Verfügung habe, keinen Publikums-Joker - geschweige denn - den Telefonjoker abrufen kann. Aber ich kann Euch sagen, es ist immer wieder eine kommunikative Herausforderung einen solchen Abend ohne einen Versprecher zu überstehen. Dazu kommt, dass meine Verwandten Spezialisten darin sind, die Antwort einfach so zu verstehen, wie sie es gerne hätten oder mir die Worte ganz einfach im Mund rumdrehen. Eigentlich müsste ich gar nicht mehr antworten – sie könnten einen Monolog führen und ich einfach zu gegebener Zeit nicken. Zurück zum Geburtstag. Zur Feier des Tages zieh ich mir ein richtig schönes Kleid an – meine Lieblings Pumps, trage meine blonden Haare offen und leicht gelockt – sprühe meinen besten Duft auf’s Dekollte. So mache mich mit dem Taxi auf den Weg. In der Pizzeria angekommen, sind alle bereits beim Apéro. Auch ich schnappe mir ein Glas Prosecco und stosse mit meiner Mutter an. Wau… Sie wird tatsächlich heute 60 Jahre alt , sieht aber immer noch unglaublich gut aus. Wir sind uns wie aus dem Gesicht geschnitten, vor allem erkennt man in der Gestik viele Parallelen. Sie drückt mich kurz an sich und flüstert mir ins Ohr: Tante Ruth ist auch hier. Ich weiss genau wie sie es meint. So in der Richtung, hey Lisa sei auf der Hut, dein Abend wird sicher anstrengender als meiner ;-) Schadenfreude war schon immer eine Stärke meiner Mutter! Mein Blick schweift durch die Menge - ich verschaffe mir kurz einen Überblick wer heute gekommen ist um zu feiern. Ganz in meiner Nähe steht Tante Ruth… ich dreh mich weg und schlendere vorsichtshalber in die andere Richtung… Plötzlich spüre ich eine Hand auf meiner Schulter – und die schrille Stimme meiner Tante. „Hallo Lisa!“ „Hallo Tante Ruth.“ Ihr Blick wandert – sie starrt mich an und checkt mich von Kopf bis Fuss. Ich ahne was kommt. Sie: „Schon lange nicht mehr gesehen, wie geht’s dir denn so?“ „Danke, gut.“ „Hast du ein bisschen zugenommen? Bist du denn ganz alleine hier ohne Begleitung?“ „Ja.“ „Ojeeeeee, hast du denn IMMER NOCH keinen Freund?“ Jetzt ist er da, der Moment wo ich meiner neugierigen Tante am liebsten antworten würde: Nein ich habe keinen Freund, bin aber immer befriedigt und es geht mir gut. Mal werde ich von meinen Affären zum Abendessen eingeladen – mal vögeln wir einfach die ganze Nacht durch oder ich habe Sex auf dem WC eines Club’s. Natürlich bin ich anständig und antworte laut und deutlich: „Nein.“ „Wie alt bist du denn jetzt schon wieder?“ „38 Jahre.“ Schweigen. Meine Tante neigt den Kopf leicht zur Seite – schaut mich bemitleidend an… und jetzt kommt’s: „Ach du Ärmste! Dass du in dem Alter immer noch Single bist! Glaub mir, auch du wirst noch einen Mann finden der zu dir passt! Und weisst du, in der heutigen Zeit kannst du auch noch mit 38 oder 40 Jahren noch Kinder kriegen… falls du überhaupt welche möchtest. Das Becken dazu hast du ja.“ Sie kneift mich in die Backe. Ich hasse es! Wahrscheinlich wird jetzt der Eine oder Andere schmunzeln, denn in solche Situationen sind Singles ständig verwickelt. Nach dem Kneifen ist dann auch die Diskussion zu Ende, ich drehe mich ab und verabschiede mich. Viel Schlimmeres kann mir heute ja nicht mehr passieren – dachte ich. Aber es kommt noch besser. Mein Vater – schon ein paar Bierchen getrunken ruft mich zu sich. „Komm verlorene Tochter (so nennt er mich immer, weil ich bei meiner Mutter aufgewachsen bin) setz dich zu deinem alten Papa! Und wie geht’s dir denn so?“ „Gut danke.“ „Was meinst du Lisa… soll ich bei mir im Haus das Hochbett für die Kinder noch stehen lassen?“ „Wieso fragst du mich?“ Mein Vater: „Ja, machst du mich den nicht mehr zum Grossvater?“ Hilllllllllllllllllllllllllllffffffffffffffffffffffffeeeeeeeeeeeeeee… also echt, haben die denn keine anderen Sorgen… möchten einfach alle, dass ich besamt werde!?! Ich, ein kurzes: „Keine Ahnung!“ Ich steh auf und mache mich auf den Weg zur Bar. Der einzig wirkliche Freund heute Abend heisst Gin Tonic. Der stellt keine Fragen – kneift mich nicht in die Backe und wirkt leicht besäuselnd - so als wäre ich verliebt…