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In „Up in the air“ gerät Vielflieger George Clooney in berufliche und zwischenmenschliche Turbulenzen. Der Film selbst ist eine wunderbar luftige Angelegenheit vor einem ernsten Hintergrund.

Bekannt ist uns in erster Linie die Phobie vor dem Fliegen. Es gibt aber auch das Gegenteil: Leute, die sich erst geerdet fühlen, wenn sie über den Wolken schweben. Ryan Bingham (George Clooney) ist so jemand: Die wenigen Tage, die er zuhause in Omaha verbringt, sind für ihn die schlimmsten. Seine Welt sind Flugzeuge und Flughäfen, Mietautos und Hotelzimmer. Als Statussymbol genügt ihm ein prallgefülltes Meilenkonto. Denn damit verbunden sind viele Privilegien, die dem Normalreisenden teilweise gar nicht bekannt sind.

Entlassungen per Videokonferenz

Der Schlüssel zu Binghams JetSet-Lebensstil ist sein Beruf. Er wird von Firmen angeheuert, Mitarbeiter zu feuern, weil die Vorgesetzten nicht den Mumm dazu haben. Und Bingham ist gut darin. Er weiss intuitiv, wie er auf Wut und Trauer, auf Drohungen und Beleidigungen reagieren muss. Seinen Standartsatz kann er so unarrogant hervorstossen, als fühlte er wirklich mit jedem Geschassten mit: „Jeder, der mal ein Imperium aufgebaut oder die Welt verändert hat, sass dort, wo sie jetzt gerade sitzen.“

Bald jedoch findet sich der smarte Herr selbst auf dem Schleudersitz wieder. Nicht dass ihm gekündigt würde – vielmehr sollen die Entlassungen zukünftig via Videokonferenz ausgesprochen werden, um Reisekosten zu sparen. Bingham ist gegroundet - sogleich richtet sich sein Zorn auf die blutjunge Akademikerin Natalie Keener (Anna Kendrick, „Twilight“, „New Moon“) die die Optimierung vorgeschlagen hat. Bingham interveniert bei seinem Boss gegen die Umstrukturierung und findet sich alsbald auf einer Reise quer durch die USA – mit Keener als Sozius. Er will seine Methode legitimieren. Sie ihre. Für Turbulenzen ist gesorgt.

Haftungsverlust

Überdeutlich widerspiegelt Jason Reitmans neuer Film das rastlose Nomadendasein des postmodernen Menschens, der, in der extremisierten Person des Ryan Binghams, in einem Jahr mehr als die Strecke zum Mond zurücklegt. Billigflieger bieten uns seit geraumer Zeit die Welt zum erschwinglichen Preis – gleichzeitig werteten sie eine einst elitäre Transportart zum alltäglichen A-nach-B-Trip ab. Bingham verspürt jedoch immer noch eine Art Fliegerromantik, geniesst die Auserwähltheit, die die Airlines den besten Kunden bietet. Er liebt die Bewegung, weil ohne sie auch sein Leben stillzustehen scheint. Und wundert sich dann, dass seine heiratende Schwester nicht ihn, sondern einen anderen als Trauzeugen wählt.

Es ist die Realisation von Binghams eigener Entwurzelung, auf welche die luftig erzählte Handlung dieses Films zuspielt. Angetrieben wird sie zudem von der Affäre mit der Businessfrau Alex, gespielt von einer hinreissenden Vera Faminga. Die Chemie zwischen Faminga und dem perfekt besetzten Clooney stimmt auf Anhieb. In einer Hotelbar übertreffen ihre Charaktere sich mit noch grösseren Meilenkonti und noch höheren Stapeln von Wertkarten und schaffen es dann vor lauter Begierde nicht mal mehr ins Bett. Ein witziger Start, der alsbald in eine Harmonie zwischen den beiden einmündet, die eine ernsthafte Wendung am Ende emotional verdichtet.

Hohe Aktualität besitzt „Up in the air“ auch in seinen ökonomischen Zügen. Dabei schrieb Jason Reitman seine Geschichte bereits von sieben Jahren. Zu einer Zeit also, als die Wirtschaft nach der geplatzten Dotcom-Blase wieder auf dem aufsteigenden Ast war. Damals schoben sich aber andere Projekte bei Reitman ein – zuerst „Thank You For Smoking“, dann „Juno“. Als diese beendet waren, hatte sich der Wind unversehens gedreht: Die USA befand sich bereits in der Rezession, und das Skript reflektierte nun weitaus treffender den wirtschaftlichen Status Quo. In einem feinen Zug ging Reitman so weit, Interviews mit realen Entlassungsopfern der Krise zu führen und diese in den Film einzubauen. Sein „Air-Movie“ erhält damit zusätzlich Tiefenschärfe und wird so auch zum Dokument der Lage einer gefallenen Nation.

"Up In The Air" läuft heute in allen Schweizer Grossstädten an.

Wo die Freiheit grenzenlos scheint

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